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Chill, play, move

Aktanten in einer besonderen (her-)Aus-stellung

Play

Du kannst etwas mit den Tönen machen, die der Gegenstand bereithält.
Oder die Töne machen etwas mit dir.
Du kannst aber nicht die Töne machen.

Wenn du willst, nenne es Musik.

Chill

Du musst und kannst nichts machen, außer deine Sinne zu öffnen.
Be-trachte nichts als deine Be-trachtung.
Alles weitere macht der Gegenstand.

Wenn du willst, nenne es Design.

Move

Du kannst dich bewegen.
Auch der Gegenstand bewegt sich ja.
Erst in der wechselseitigen Bewegung ent-gegen-steht (und klingt) der Gegenstand.

Wenn du willst, nenne es Performance.


 

Die klingenden Dinge der musik AN | AUS stellung sind – wir bitten um Pardon – keine Klangkunstwerke. Präziser: Für sich genommen sind sie noch keine Klangkunstwerke. Sie sind in gewisser Weise Versuchsanordnungen, „epistemische Dinge“ (Hans-Jörg Rheinberger). Keine Sorge, die Kunst soll nicht zu kurz kommen. Aber wir wollen mit der musik AN | AUS stellung die Frage aufwerfen, an welcher Stelle im operativen Vorgang des Exponats das Ästhetische im Spiel ist. Wir glauben allerdings nicht, dass der Endzustand des Vorgangs mit dem guten alten Begriff des Kunstwerks noch angemessen beschrieben ist.

Der epistemische Versuchscharakter des Exponats besteht darin, herauszufinden oder vielmehr (her-)AUS-zu-stellen, welche Elemente überhaupt Teil des Exponats sind und auf welche Weise sie partizipieren. Es geht darum, AUS-zu-stellen, was das Exponat am Ende des jeweiligen AUS-stellungs-Vorgangs ist. Jeder der AUS-stellungs-Vorgänge, die im Übrigen alle anders verlaufen und mithin je andere Exponate exponiert haben werden, versammelt je nach technoästhetischer Ausgangskonstellation Aktanten um sich. Ein Aktant kann ein Ding sein, beweglich oder unbeweglich; es können Ortspunkte in fixer oder variabler Entfernung zueinander sein; es kann der umgebende Raum sein, der die möglichen Ortspunkte durch Licht, Farbe oder Resonanzeigenschaften bereitstellt; es können gegebene Klänge sein, die Veränderungsimpulse bei den anderen Akteuren setzen und sich oft auch selbst verändern; das können schließlich menschliche Aktanten sein, die in die Anfangsstellung Bewegung bringen und in Bewegung halten.

Die Aktionsmöglichkeiten der Aktanten bestimmen sich dadurch, welche Signale sie via Sinneskanälen oder Sensoren empfangen können, wie sie sie verarbeiten und welche Signale sie nach einer kürzeren oder längeren AUS-Zeit der Zwischenspeicherung wieder versenden, welche ihrer Funktionen also AN oder AUS ist. Kurz, jeder Aktant ist durch einen Algorithmus bestimmt. Manche Aktanten bleiben in ihren Aktionsmöglichkeiten starr und unverändert. Andere Aktanten, etwa ein humaner Teilnehmer mit seinem zweifellos selbstlernenden neuronalen Netz, können sich algorithmisch verändern. Das sich im Exponat bzw. als das Exponat bildende Aktantennetz ist insgesamt ein veränderliches und lernendes Netz. Es ist ein sonisches Internet von humanen und nonhumanen Dingen.

In diesen Netzen sind unterschiedliche Aktivitätsmodi denkbar. Sie ergeben sich daraus, welche Aktanten und welche ihrer Funktionen in welcher Frequenz zwischen den Zuständen AN und AUS wechseln. Zum Beispiel kann ein Netz so beschaffen sein, dass der Wechsel zwischen AN und AUS allmählich zur Ruhe kommt und sich eine Homöostase einstellt. Wir nennen das CHILL. Der eine Aktant nimmt die anderen allmählich ohne Zustandsänderungen wahr. Der einzelne Aktant, noch mehr aber das gesamte Exponat ist im CHILL-Modus. Das Netz hat seine Eigenfrequenz designt, bis neue Aktanten zusammentreten und sich aus den Elementen ein neues Exponat bildet.

Oder es kann sein, dass aus der anfänglichen oder auch allmählichen Stellung des Netzes ein Aktant gewissermaßen isoliert wird: isoliert insofern, als das Netz ihm nur ganz wenige Möglichkeiten bietet, ein Signal ANzustellen oder AUSzulassen, beides ohne Effekt auf den Gesamtzustand des Systems, allenfalls auf den isolierten Zustand des Aktanten selbst. Wir bezeichnen diesen Systemzustand als PLAY und den isolierten Aktanten als PLAYer.

Der dritte Zustand MOVE ist der komplexeste. In ihn sind überabzählbar viele und von dem einzelnen Aktanten daher als ganzheitlich empfundene Funktionen AN, deren Signale zudem von den Sensoren der anderen Aktanten in großer Zahl auch empfangen und algorithmisch verarbeitet werden. Das Resultat ist eine intensive, komplexe, fraktale Aktivität des Netzes, die aus sich selbst nicht zum Stillstand kommt.

Je nach anfänglicher oder zwischenzeitlicher Stellung des Exponats kannst du dich in einen der drei Aktivitätsmodi CHILL, PLAY oder MOVE begeben. Bedenke, dass letztlich das gesamte Exponat sich im Modus CHILL, PLAY oder MOVE befindet und du lediglich eines seiner vielen Elemente bist.